Daten der Abwasser- und Schlammanalysen

Die Anforderungen an Nassproduktionsstätten

Zur Umsetzung unserer ALDI Detox-Anforderungen in Nassproduktionsstätten stellen wir Geschäftspartnern, ergänzend zu bestehenden Qualitätsrichtlinien, die ALDI M-RSL/RSL (Manufacturing Restricted Substances List/Restricted Substances List) zur Verfügung. Diese Liste haben wir im Jahr 2015 auf unseren Webseiten veröffentlicht. Den Detox-Anforderungen entsprechend legt sie die Grenzwerte für unerwünschte Chemikalien in Abwässern und Klärschlämmen aus den Produktionsstätten fest. Die Einhaltung der Grenzwerte ist Bestandteil aller Lieferantenverträge. 

Seit Ende 2015 fordern wir von unseren Lieferanten für eingesetzte Nassproduktionsstätten die Vorlage einer gültigen Abwasser- und Schlammanalyse. Die Output-Anforderungen werden mindestens einmal jährlich in den Produktionsstätten geprüft. Die Proben werden von einem akkreditierten und von uns nominierten Testinstitut vor Ort entnommen und gegen die Grenzwerte unserer M-RSL getestet. Das Ergebnis der Analyse wird uns, den Lieferanten und den Produktionsstätten mitgeteilt.

Die Daten werden bei uns zusammengeführt, verarbeitet und ausgewertet, um Metaauswertungen und Trendanalysen vorzunehmen, die Risikoentwicklung zu evaluieren und daraus wirkungsvolle Maßnahmen abzuleiten. Deren Umsetzung wird detailliert nachgehalten und hinsichtlich ihrer Wirksamkeit untersucht. Die stetige Weiterentwicklung unserer internen IT-Systeme unterstützt dabei die Erfassung und Aufbereitung von Lieferanten- und Produktionsstätten-Daten. 

Durch den Aufbau unseres internen Monitoring-, Verifizierungs- und Bewertungssystems können wir den Lieferanten ihren Fortschritt, ihre Erfolge sowie Optimierungspotenziale aufzeigen. Die Risikobewertung ist ein zentrales Element in der internationalen Lieferanten- und Produktionsstätten-Bewertung.

Analyseergebnisse nach Chemikaliengruppen der ALDI M-RSL

Die Ergebnisse der Abwasser- und Schlammanalysen dienen als Indikator für die Nachverfolgung des Ausschlusses von unerwünschten chemischen Substanzen wie PFC oder APEO.

Sollten in einer oder mehreren Chemikaliengruppen Befunde auftreten, sind Lieferanten und Produzenten angewiesen, eine entsprechende Ursachenanalyse („root-cause analysis“) durchzuführen. Dies soll dazu dienen, mögliche Kontaminationsquellen zu identifizieren.

PFC (perfluorierte Chemikalien) und APEO (Alkylphenolethoxylate) sind Chemikaliengruppen,die aufgrund ihrer umweltschädlichen Wirkung im Fokus der Greenpeace Detox-Kampagne stehen. Im Jahr 2016 konnten 78 % der Produktionsstätten nachweisen, dass zum Analysezeitpunkt keine PFC im Abwasser oder Schlamm vorhanden waren. Zum Zeitpunkt der Analyse konnten 47 % der im Jahr 2016 eingesetzten Nassproduktionsstätten nachweisen, dass keine APEO im Abwasser oder Schlamm vorhanden waren.

Die Auswertung der Abwasser- und Schlammanalysedaten im Jahr 2017 ergab einen Rückgang der Befunde um 8 % für APEO (Anteil APEO-freier Nassproduktionsstätten zum Analysezeitpunkt: 55 %), aber einen leichten Anstieg um 3 % für PFC (Anteil PFC-freier Nassproduktionsstätten zum Analysezeitpunkt: 75 %), bei einem Anteil von 89 % der Nassproduktionsstätten mit gültigen Abwasser- und Schlammanalysen im Jahr 2017.

Wir fokussieren die nächsten Schritte unserer Eliminierungsstrategie darauf, den bewussten Einsatz von APEO und PFC und im Folgeverlauf den Einsatz weiterer ausgewählter Chemikaliengruppen zu untersagen. Für alle verbleibenden Chemikaliengruppen halten wir an den durch das Detox Commitment gesetzten Eliminierungszielen für den 1. Januar 2020 fest.

Einige Befunde zeigten uns, dass die Färbereien und Ausrüstungsbetriebe bewusst die von uns verbotenen Chemikalien für andere Absatzmärkte eingesetzt haben. Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang insbesondere der Einsatz von bestimmten Azofarbstoffen, deren Einsatz in Produkten aufgrund einiger, z. B. europäischer Gesetze, aber vor allem umfassend durch die ALDI Anforderungen ausgeschlossen ist. ALDI ist von dem sogenannten „Saubere Fabrik“- bzw. „Clean Factory“-Ansatz überzeugt. Dieser verfolgt das Ziel, unerwünschte Chemikalien für die gesamte Produktion durch unbedenklichere Alternativen zu ersetzen. Vereinfacht bedeutet „Clean Factory“, dass eine Produktionsstätte gänzlich – nicht nur in Verbindung mit Artikeln, die für ALDI gefertigt werden – auf den Einsatz unerwünschter Substanzen verzichtet.

Eine besondere Herausforderung stellt hierbei die Eliminierung von Schwermetallen dar, die aufgrund der geologischen Gegebenheiten unvermeidlich vorhanden sind. Somit sind diese oftmals schon vor der Produktion im verwendeten Frischwasser nachzuweisen.

Ergebnisse der Analyseberichte nach ALDI M-RSL (2016 & 2017).

Chemikaliengruppen sowie Prozentanteil M-RSL konformer Analyseberichte 2016: APEo 47; Phthalates 27; Flammschutzmittel 68; verbotene Amine / Azo-Farbstoffe 84; Organozinn-Verbindungen 96; PFCs 78; Chlorbenzole 64; chlorierte Lösemittel 69; Chlorphenole 86; kurzkettige Paraffine (SCCPs) 94; Schwermetalle 2.

Chemikaliengruppen sowie Prozentanteil M-RSL konformer Analyseberichte 2017: APEO 55; Phthalates 47.6; Flammschutzmittel 41.43; verbotene Amine / Azo-Farbstoffe 72.63; Organozinn-Verbindungen 97.41; PFCs 75; Chlorbenzole 79.53; chlorierte Lösemittel 59.8; Chlorphenole 90.01; kurzkettige Paraffine (SCCPs) 84.46; Schwermetalle 4.44

Globale Verteilung der Nassproduktionsstätten

Umfassende Transparenz zu Lieferkettenpartnern und den Umweltbedingungen vor Ort ist ausschlaggebend, um die Detox-Anforderungen voranzutreiben. Daher fordern wir seit 2015 für alle Textilien und Schuhe die Offenlegung aller eingesetzten Produktionsstätten. Eine Weitervergabe von Aufträgen an andere Produktionsstätten ist ohne unsere Zustimmung vertraglich ausgeschlossen. Wir nehmen eine unterstützende Rolle in der Sensibilisierung der Industrie für einen verantwortungsvollen Umgang mit Chemikalien ein und stellen entsprechende Anforderungen an das Chemikalienmanagement in den Produktionsstätten. Durch die Einforderung gültiger Abwasser- und Schlammanalysen für Nassproduktionsstätten sichern wir frühzeitig die Konformität mit unseren Anforderungen.

Globale Verteilung der Nassproduktionsstätten (anteilig):

China 57 %, Bangladesch 19 %, Indien 7 %, Europa 6 %, Pakistan 5 %, Türkei 4 %, Sonstige 2 %

Methodik

Zur Realisierung unserer Detox-Selbstverpflichtung bedarf es einer umfassenden Sammlung von Informationen. Mit Hilfe dieser Daten ist es uns möglich, sowohl Herausforderungen innerhalb der Lieferkette aufzudecken als auch Potenziale bei Lieferanten und Fabriken zu identifizieren. Durch die Anpassung unserer Ausschreibungs- und Vertragsunterlagen erhalten wir bereits vor Anlieferung Daten zu den eingesetzten Produktionsstätten. 

Diese Informationen werden vertragsspezifisch einer Plausibilitätsprüfung unterzogen. Die Produktionsstätten werden so nach definierten Prozessen charakterisiert und geprüft. 2016 lagen uns von 81 % der gemeldeten Nassproduktionsstätten gültige Abwasser- und Schlammanalysen und die entsprechenden Ergebnisse vor. Durch ein einheitliches Datenmanagement gelang es uns im Jahr 2016, unsere gesamte textile Lieferkette besser zu erfassen und diesen Anteil auf 89 % zu erhöhen.

Greenpeace fordert alle Unternehmen im Rahmen der Detox-Kampagne dazu auf, Abwasser- und Schlammanalysen nach dem „Right to know“-Prinzip auf der IPE (Institute of Public and Environmental Affairs) Plattform zu veröffentlichen. Wir kommen dieser Anforderung gern nach und fordern unsere Lieferanten bereits seit 2015 auf, die Ergebnisse dort zu veröffentlichen.