People in circle laughing from Bangladesh factory

ALDI Factory Advancement Project

Unser Ansatz

ALDI engagiert sich für Menschenrechte in der Bekleidungsindustrie. Mit dem ALDI Factory Advancement (AFA) Project hat die Unternehmensgruppe ALDI SÜD gemeinsam mit ALDI Nord ein wirksames Instrument etabliert, dass positiven Wandel in Bekleidungsfabriken in Bangladesch vorantreibt.

Von 2013 bis 2021  standen im AFA Project Arbeiterinnen und Arbeiter und Managerinnen und Manager im Mittelpunkt. Die Projektaktivitäten hatten die Entwicklung nachhaltiger Lösungen zur Verbesserung von Arbeitsbedingungen in Bekleidungsfabriken zum Ziel. Das Grundprinzip des Projekts bestand in der Förderung des Dialogs zwischen Arbeiterinnen und Arbeitern und Managerinnen und Managern. Nur durch die Kooperation und das gemeinsame Engagement beider Parteien konnte ein wirksamer Wandel in der Bekleidungsindustrie ermöglicht werden.

Rabeya, Arbeiterin in einer AFA Project Fabrik

„Mir ist bewusst geworden, dass meine Meinung und meine Ideen für die Weiterentwicklung meiner Fabrik wichtig sind. Wir haben gelernt, dass wir durch gute Kommunikation und Dialog jegliche Probleme und Konflikte, die in der Fabrik auftreten, lösen können.“

Rabeya, Arbeiterin in einer AFA Project Fabrik

Der Schlüssel zum Erfolg des AFA Project lag in der aktiven Einbeziehung der Arbeiterinnen und Arbeiter. Etwa 85.000 Arbeiterinnen und Arbeiter und ihre Managerinnen und Manager aus 40 Fabriken hatten durch positive Veränderungen in ihrem täglichen Arbeitsumfeld von diesem Projekt profitiert.

Unsere Aktivitäten

Projektphase 1.0

Die erste Phase des AFA Project wurde im Sommer 2019 erfolgreich beendet. In über 450 Projektaktivitäten diskutierten Arbeiterinnen und Arbeiter, Managerinnen und Manager und AFA Project Trainerinnen und Trainer verschiedene Themen, wie zum Beispiel die Etablierung wirksamer Kommunikationskanäle, Arbeitssicherheit, angemessene Arbeitszeiten, Beförderungen, private Finanzplanung, Qualitätsmanagement sowie Produktivität. Insgesamt erfolgten sechs Wirksamkeitsanalysen, um den Erfolg des AFA Project zu messen.

Projektphase 2.0

AFA Project

Im Sommer 2019 hatten wir die nächste spannende Phase des AFA Project gestartet: Ein innovatives Pilotprojekt mit ausgewählten Fabriken und Geschäftspartnern. Gemeinsam hatten wir das AFA Project auf die nächste Stufe gehoben: Mit den Erfahrungen, die wir in den letzten sechs Jahren sammelten, hatten wir ein Projekt entwickelt, das die teilnehmenden Fabriken langfristig von AFA Project Trainerinnen und Trainern unabhängig macht.

Wir wissen, dass qualifizierte Moderatoren der Schlüssel zur Schaffung nachhaltiger Lösungen in Fabriken sind. Es sind die Moderatorinnen und Moderatoren, die mit ihrer Haltung positiven Wandel vorantreiben und Werkzeuge für den Umgang mit komplexen Herausforderungen bereitstellen.

AFA Project Plus: Kinderbetreuung

AFA Project Plus

Von 2016 bis 2019 stellte das AFA Project PLUS den dringenden Bedarf von Fabrikarbeiterinnen und -arbeitern in Bangladesch nach hochwertiger Betreuung für ihre Kinder in den Mittelpunkt seiner Aktivitäten. ALDI unterstützte ausgewählte AFA Project Fabriken bei der Verbesserung ihrer fabrikinternen Kindertagesbetreuungen.

Aufgrund ihrer finanziellen Situation und fehlender Alternativen sind viele Fabrikarbeiterinnen auf fabrikinterne Kindertagesstätten angewiesen. Gemeinsam mit lokalen Nichtregierungsorganisationen unterstützten wir die professionale Fortbildung von den Erziehern, dem leitendem Personal in den Kindertagesstätten, dem Pflegepersonal und den Eltern, die in der Fabrik beschäftigt sind.

Bisher haben insgesamt 15 Fabriken das AFA Project PLUS durchlaufen.

    Unsere Kennzahlen

    Phase 1.0 (2013-2019)

    85000

    Arbeiter und Manager profitieren von der positiven Veränderung

    40

    involvierte Fabriken

    450

    AFA Project Aktivitäten

    Phase 2.0 (2019-2020)

    130

    behandelte Probleme am Arbeitsplatz

    6

    involvierte Fabriken

    126

    unabhängige Sitzungen wurden von und Moderatoren durchgeführt.

    Unsere Erfolge

    Female and male people sitting on ground
    Nachhaltige Lösungen
    Hotline verringert unbefugtes Fernbleiben vom Arbeitsplatz

    Herausforderung:

    In einer der teilnehmenden AFA Project Fabriken war Managerinnen und Managern vermehrt aufgefallen, dass beschäftigte Arbeiterinnen und Arbeiter häufig ohne Angabe eines Grundes und somit unbefugt von der Arbeit fernblieben. In einer unserer ersten AFA Project Aktivitäten tauschten sich Arbeiterinnen und Arbeiter und Managerinnen und Manager über mögliche Ursachen aus. Dabei stellte sich heraus, dass Arbeiterinnen und Arbeiter unentschuldigt vom Arbeitsplatz fernblieben, da das Verfahren zur Beantragung einer Abwesenheit, etwa im Krankheitsfall oder für Urlaub, unverständlich war.

    Lösung:

    Managerinnen und Manager und Arbeiterinnen und Arbeiter initiierten eine Informationskampagne zu dem existierenden Verfahren und den unterschiedlichen Arten von Abwesenheiten, die in Bangladesch gemäß dem nationalen Arbeitsrecht existieren. Zudem etablierten sie eine „Abwesenheits-Hotline” in der Fabrik. Sie dient als Informations- und Beschwerdestelle, an die sich die Arbeiterinnen und Arbeiter wenden können:

    1. Wenn Arbeiterinnen und Arbeiter sich außerhalb des Fabrikgeländes befinden und einen freien Tag nehmen müssen, etwa da sie erkrankt sind.
    2. Wenn Urlaubsanträge nicht genehmigt wurden und der betreffende Arbeiterinnen und Arbeiter dies als ungerechtfertigt empfindet.

    Ergebnis:

    Die Hotline wird monatlich von 15 bis 30 Arbeitern in Anspruch genommen. Der Anteil der Arbeiter, die das Verfahren ordnungsgemäß nutzen, stieg um 50 %.

    AFA Project participant: Ambia
    Effektive Kommunikation
    Verbesserung des Arbeitsumfeldes

    Herausforderung:

    Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einer AFA Project Fabrik identifizierten die angespannte Situation zwischen den Vorgesetzen und den Arbeitern einer bestimmten Produktionslinie als dringliches Problem. Die Vorgesetzten zeigten sich mit der Leistung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unzufrieden und drängten die Arbeiterinnen und Arbeiter sich zu verbessern.

    Lösung:

    Arbeiterinnen und Arbeiter und Managerinnen und Manager diskutierten gemeinsam warum die Nähqualität und die Produktivität der Produktionslinie vergleichsweise niedrig war. Durch die Schaffung eines sicheren Raumes, in dem Arbeiterinnen und Arbeiter und Managerinnen und Manager sich aktiv zuhören und miteinander ins Gespräch kommen können, wurde die Ursache schnell identifiziert: Die Produktionslinie befand sich direkt neben der Fensterfront, an der auch Ventilatoren angebracht sind. Durch die von den Ventilatoren ausgehende zirkulierende Luft wurden die Stoffe verzogen oder teilweise sogar als Ganzes von der Arbeitsstation weggeweht. Arbeiterinnen und Arbeiter und Managerinnen und Manager beschlossen daher, die Produktionslinie weiter weg von den Ventilatoren zu platzieren.

    Ergebnis:

    Die Qualität und Produktivität der Produktionslinie sowie das Verhältnis zwischen Mitarbeitern und ihren Führungskräften haben sich deutlich verbessert. Die betroffenen Arbeiterinnen und Arbeiter fühlten sich nicht mehr unter Druck gesetzt und sind zufriedener mit ihrem Arbeitsumfeld.

    Women with hijab writing on board
    Mitarbeiterpotential
    Lohnabrechnungen verstehen

    Herausforderung:

    In Fabriken haben Arbeitnehmer Probleme beim Verständnis ihrer monatlichen Lohnabrechnungen. Schwierigkeiten bestehen oftmals in der Nachvollziehbarkeit der tatsächlichen Berechnung ihres Arbeitslohns, einschließlich sämtlicher Bezüge, Lohnzuschläge, Überstundenvergütungen und potenzieller Abzüge. Entsprechend häufig erhält die Personalabteilung Beschwerden von Arbeitern.

    Lösung:

    Arbeiterinnen und Arbeiter und Managerinnen und Manager kamen auf die Idee, ein Video in ihrer Fabrik zu produzieren, das die Lohnabrechnung und -berechnung sowie die Lohnstruktur für Arbeiterinnen und Arbeiter verständlich darstellt. Einige Arbeiterinnen und Arbeiter wirkten ebenfalls an der Produktion des Videos mit, beispielsweise bei der Erstellung des Drehbuchs oder als Schauspieler. Die Beteiligung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an der Produktion des Videos stellte sicher, dass der Inhalt des Videos für die Arbeiterinnen und Arbeiter relevant und leicht verständlich war.

    Ergebnis:

    Fabrikarbeiterinnen und -arbeiter verstehen jetzt ihre Lohnabrechnungen. Bei der Personalabteilung treffen weniger Beschwerden diesbezüglich ein.

    Garment workers in factory line
    Erhöhte Produktivität und Qualität
    Gewährleistung eines sicheren Arbeitsplatzes

    Herausforderung:

    Arbeiterinnen und Arbeiter und Managerinnen und Manager ermittelten mangelhafte Ordnung als ein Sicherheitsproblem in ihrer Fabrik: Für die Lagerung und den Transport von Arbeitsmaterialien wurden Kisten aus Karton genutzt. Diese versperrten Gänge sowie Arbeitsplätze und erhöhten die Brandgefahr.

    Lösung:

    Manchmal führen bereits sehr simple Lösungen zum Erfolg. Es muss sich nur die Zeit genommen werden, um miteinander zu sprechen und einander zuzuhören, um zu einer Lösung zu kommen. Die Arbeiterinnen und Arbeiter und Managerinnen und Manager beschlossen die Kartons durch Kunststoffkisten zu ersetzen. Kunststoffkisten sind vergleichsweise schwer entflammbar, lassen sich besser stapeln und somit verstauen ohne Fluchtwege zu versperren.

    Ergebnis:

    Die Arbeiterinnen und Arbeiter fühlen sich an ihrem Arbeitsplatz sicherer. Die Lösung ging auch mit Produktivitätssteigerungen einher: Da weniger Schmutz in die Kisten gelangt und die Ware somit sauberer ist, besteht auch weniger Reinigungsbedarf. Dies spart Zeit im Produktionsprozess. Zudem können die Kisten mehrfach wiederverwendet werden und senken so langfristig die Kosten für die Fabrik.

    Menschen reden
    Effektive Kommunikation
    Verbesserung der Zusammenarbeit von Arbeiterinnen und Arbeitern mit Managerinnen und Manager

    Herausforderung:

    Die Arbeiterinnen und Arbeiter waren mit der Zusammenarbeit zwischen den Managerinnen und Manager und der Belegschaft nicht zufrieden. Dies führte zu einem negativen Arbeitsumfeld.

    Lösung:

    Arbeiterinnen und Arbeiter sowie Managerinnen und Manager beschlossen gemeinsam, die Managerinnen und Manager sowie Vorarbeiterinnen und Vorarbeiter in guter Personalführung zu schulen, mit dem Ziel, Maßnahmen zu entwickeln, die ein besseres Arbeitsumfeld für alle schaffen. In der Schulung wurden acht Soft Skills vermittelt, um die Kommunikationsfähigkeit der Managerinnen und Manager zu verbessern und aufkommende Probleme zu lösen.

    Zudem wurde beschlossen, dass die Arbeiterinnen und Arbeiter in den Gremien vertreten sein sollten, um zu gewährleisten, dass diese in die Entscheidungsfindung eingebunden werden und ihre Meinung einbringen können.

    Ergebnis:

    Die Arbeiterinnen und Arbeiter sind nun stärker an Entscheidungsprozessen beteiligt. Infolgedessen hat sich die Zusammenarbeit der Managerinnen und Manager mit den Arbeiterinnen und Arbeitern verbessert. Konflikte konnten besser gelöst werden, was zu einem positiven Arbeitsumfeld beigetragen hat.

    Frau spricht mit Arbeiter
    Nachhaltige Lösungen
    Verständnis des Genehmigungsverfahrens für den Jahresurlaub

    Herausforderung:

    Die Arbeiterinnen und Arbeiter erhielten nicht die volle Vergütung, weil sie das Verfahren zur Genehmigung des Jahresurlaubs nicht korrekt angewendet hatten. Infolgedessen wurde der von den Arbeiterinnen und Arbeitern genommene Jahresurlaub als unentschuldigte Abwesenheit gemeldet.

    Lösung:

    Die Managerinnen und Manager und das Mediationsteam arbeiteten gemeinsam daran, das Verfahren zur Genehmigung des Jahresurlaubs für die Arbeiterinnen und Arbeiter zu vereinfachen und ihnen mehr Informationen und Ratschläge über die Funktionsweise dieses Verfahrens an die Hand zu geben. Darüber hinaus wurden die Vorarbeiterinnen und Vorarbeiter darin geschult, wie sie das Bewusstsein der Arbeiterinnen und Arbeiter für das Verfahren zur Genehmigung des Jahresurlaubs schärfen können. 

    Ergebnis:

    Die Zufriedenheit der Arbeiterinnen und Arbeiter ist gestiegen, da es nun weniger Konflikte im Zusammenhang mit der Lohnberechnung gibt. Außerdem haben die Managerinnen und Manager nun mehr Planungssicherheit bezüglich der verfügbaren Kapazitä­ten für die Produktionsprozesse.