Kaffeepflanze mit roten, reifen Früchten
März 2020

Kaffeeprojekt: Besuch bei Kleinbauern in Honduras

Eine Tasse Kaffee ist für viele ein täglicher Genuss. Aber haben Sie sich schon einmal gefragt, wer den Kaffee, der sich da in Ihrer Tasse befindet, anbaut und woher er kommt?

Die Unternehmensgruppe ALDI SÜD bezieht seit dem Jahr 2014 von Fairtrade zertifizierten Kaffee aus Honduras, einem Land, für das Kaffee das wichtigste Exportprodukt darstellt. Mehr als 100.000 Familien bauen dort Kaffee an und über eine Million Menschen sind während der Erntezeit in diesem Sektor beschäftigt. Kaffeebauern in Honduras sind jedoch aufgrund einer instabilen politischen Lage, weit verbreiteter Armut, Preisschwankungen auf dem Weltmarkt und der zunehmend gravierenderen Auswirkungen des Klimawandels mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert.

Seit dem Jahr 2016 fördert die Unternehmensgruppe ALDI SÜD finanziell ein von Fairtrade ins Leben gerufenes Projekt zur Unterstützung von Kaffeekooperativen in Honduras. Das Projekt zielt auf eine Verbesserung der betrieblichen Kapazitäten der Kleinbauern, eine Erhöhung der Produktionsmenge nachhaltigen Kaffees, eine Stärkung der Widerstandsfähigkeit gegenüber dem Klimawandel, eine größere Diversifikation der Einkommensquellen für Bauern, und einer stärkeren Einbindung von Frauen und jungen Erwachsenen in die Entwicklungs- und Entscheidungsfindungsprozesse der Kaffeekooperativen ab.

Im November 2019 bot sich einem Manager unserer Abteilung Corporate Responsibility International die Gelegenheit, gemeinsam mit dem für Kaffee zuständigen Einkäufer unserer Abteilung Global Sourcing, Kollegen der New Coffee Kaffeerösterei von ALDI und Vertretern von Fairtrade Deutschland sowie den lateinamerikanischen und honduranischen Fairtrade-Netzwerken das Land Honduras zu bereisen. Der Zweck dieser Reise bestand in einem Besuch von Kooperativen, um ein besseres Verständnis für deren Herausforderungen zu gewinnen und aus erster Hand von Kleinbauern zu erfahren, inwiefern sich das oben genannte Projekt positiv auswirkt. Der Besuch ermöglichte uns weitergehende Einblicke in unsere Lieferkette für Kaffee und verhalf unserem Team zu einem genauen Verständnis von den Rohstoffen, die in den von uns angebotenen Artikeln verarbeitet werden.

ALDI and Fairtrade teams with a female farmer and her family
ALDI und Fairtrade-Teams gemeinsam mit einer Kaffeebäuerin und ihrer Familie

Steigerung der Widerstandsfähigkeit der Bauern

Während unserer mehrstündigem Fahrt in einem Kleinbus durch kurvenreiche und gebirgige Regionen hin zu den Kaffeeanbaubetrieben versetzte uns die unglaublich grüne Landschaft von Honduras in Staunen. Wir nutzten auf dem Weg die Gelegenheit zum Austausch mit den beiden durch das Projekt finanzierten Beratern des nationalen honduranischen Fairtrade-Netzwerks. Einer der Berater unterstützt die Kooperativen fachlich in Agrarfragen, etwa bei der Herstellung von Kompost oder Biodünger, während der andere Berater kleinen Produktionsbetrieben bei der Optimierung des organisatorischen Managements, etwa hinsichtlich der Festlegung von Budgets oder Einführung von Handbüchern, assistiert. Ein Ziel des Projektes besteht in der Steigerung der Flächenproduktivität (innerhalb der bestehenden Parzellen anstatt durch Erweiterung der Anbauflächen), um so zukünftig eine sowohl für die Bauern als auch für die Umwelt nachhaltigere Produktion zu erreichen.

Die Bauern, mit denen wir uns unterhielten, unterstrichen die große Bedeutung der Fairtrade-Zertifizierung und der gezahlten Fairtrade-Prämie. Alle von ihnen arbeiten fleißig daran, ihre Zertifizierung aufrechtzuerhalten, und lobten das Projekt als sehr wirkungsvoll. Die Prämie stellt für die Bauern ein zusätzliches Einkommen dar, auf das sie dringend angewiesen sind. Hinter den Anforderungen des Fairtrade-Standards steht die Absicht, den Bauern zur Maximierung ihrer Ernteerträge zu verhelfen und sicherzustellen, dass ihre Landwirtschaftsbetriebe für die Zukunft gerüstet sind. Darüber hinaus erklärten uns Bauern, dass die Mitgliedschaft in einer Fairtrade-Kooperative zur eigenen Glaub- und Vertrauenswürdigkeit beiträgt und den Zugang zu Bankkrediten für die Investition in effizientere und nachhaltigere Ausstattung sowie Werkzeuge erleichtert.

Durch die Prämien haben Kooperativen darüber hinaus die Möglichkeit, in Gemeindeprojekte zu investieren. So erhält etwa eine Klinik, die wir besuchten, von drei Fairtrade-zertifizierten Kooperativen dringend benötigte finanzielle Förderung für die Versorgung von insgesamt 60.000 Anwohnern. Diese müssten sonst mindestens eine Stunde reisen, um das nächstgelegene Krankenhaus zu erreichen.

Planting of “living borders” to keep out pests and nourish soil
Angepflanzte „lebendige Grenzen“ zum Schutz vor Schädlingen und zur Regeneration des Bodens

Steigerung der Qualität und der Ernteerträge im Angesicht des Klimawandels

In den Regionen Copán und La Paz führten uns während der Besichtigung mehrerer Landwirtschaftsbetriebe die Bauern sehr bemüht auf ihren Plantagen herum und schilderten uns, inwiefern ihnen das Projekt weiterhilft. Wir erfuhren, wie sie sich im Rahmen gemeinsamer Veranstaltungen mit anderen Kooperativen über bewährte Agrarmethoden austauschen. Angesichts der Ungewissheit über die Auswirkungen des Klimawandels, etwa des Temperaturanstiegs oder sich ändernder Niederschlagsverteilungen, wird der Anbau von Kaffee zukünftig zu einer zunehmend größeren Herausforderung – ein Umstand, der den Bauern ständig Sorge bereitet.

Unser Weg führte uns vorbei an hunderten von hellroten Kaffeekirschen strotzenden Bäumen. Dabei wurde uns erklärt, dass eine durch Temperaturänderungen und verstärkten Niederschlag verursachte Pilzerkrankung namens „La Roya“ (Kaffeerost) verheerende Auswirkungen auf die vergangenen Ernten gehabt hat. Viele Bäume wirkten mittlerweile gesund, jedoch waren die Auswirkungen in einigen Landwirtschaftsbetrieben immer noch deutlich erkennbar. Unter Anleitung hatten die Bauern gelernt, Blätter zu prüfen, erkrankte Pflanzen zurückzuschneiden, die Bodenqualität zu verbessern und somit letztlich den Schaden in Grenzen zu halten.

Coffee plant damaged by coffee leaf rust disease (“la roya”)
Kaffeepflanze mit der Pilzerkrankung „La Roya„ (Kaffeerost)

Unterstützung von Bäuerinnen und jungen Arbeitern

Eine wesentliche Komponente des Projektes besteht darin, sicherzustellen, dass der Kaffeeanbau auch für Bäuerinnen und junge Arbeiter eine attraktive Option darstellt. Durch das Projekt werden Gruppenworkshops und Schulungen finanziert, in denen jungen Menschen Kenntnisse über Agroökologie sowie Wissen über Einkommensmöglichkeiten, wie zum Beispiel den Betrieb einer Kompostieranlage und den Verkauf von Kompost an ansässige Landwirtschaftsbetriebe, vermittelt werden.

In Honduras sind Frauen gegenüber Männern sowohl in der Berufsgruppe der Kaffeebauern als auch generell in Führungspositionen in der Unterzahl. Darüber hinaus werden selbstorganisierte und finanziell unabhängige Kaffeehändlerinnen nur bedingt akzeptiert. Das Projekt bietet auch Frauengruppen die Möglichkeit zum Aufbau von Kompetenzen in den Bereichen Kaffeeproduktion und Diversifikation von Einkommensquellen. Dadurch wird erreicht, dass Frauen in den Entscheidungsgremien der Kooperativen stärker vertreten sind und mehr junge Frauen verantwortungsvolle Positionen, etwa als Buchhalterin, Agrarberaterin oder Qualitätsprüferin, erhalten.

Während unseres Besuches bei der Frauenkooperative Aprolma in der Provinz Marcala waren wir erleichtert, zu erfahren, dass ihrer Ansicht nach das Geschlecht kein Hindernis für Erfolg darstellt. Am hinderlichsten seien hingegen, wie auch im Fall der männlichen Bauern, der fehlende Zugang zu Krediten und die durch den Klimawandel verursachten Schwankungen der Kaffeequalität.

Auf unserer Reise hatten wir viele Begegnungen, die von Freundlichkeit und Großzügigkeit geprägt waren. So wurden wir von einer der Frauen nach Hause eingeladen, um dort ihre Familie kennenzulernen und mehr über den Alltag der Kaffeebauern zu erfahren: Sie erklärte uns, dass es keinesfalls einfach sei, jedoch sich die Lage bessere und sie dankbar für die Unterstützung durch die anderen Mitglieder der Kooperative sowie das Schulungsangebot und den Informationsaustausch sei, die durch das Projekt ermöglicht werden.

Mixing organic fertilisers with different nutrients for different soil types
Anreicherung von Bio-Dünger mit verschiedenen Nährstoffen zur Verbesserung unterschiedlicher Bodenarten

Bewertung des Projektes und nächste Schritte

Gegen Ende unserer Reise wohnten wir einer Gruppendiskussion mit dem honduranischen Fairtrade-Netzwerk, Projektteilnehmern und vor Ort tätigen Fairtrade-Mitarbeitern bei. Uns wurden die Ergebnisse einer unabhängigen Bewertung vorgestellt, die bestätigten, dass das Projekt ein enormer Erfolg ist. Es war motivierend, zu erfahren, dass das Projekt als sehr gut auf die Bedürfnisse der Zielgruppe zugeschnitten und als eindeutig wirkungsvoll bewertet wurde. Sowie berge das Projekt ein enormes Potenzial für eine Vielzahl an umsetzbaren Maßnahmen in den Kooperativen, welche dauerhafte Nachhaltigkeit erzielen. Die Teilnehmer ließen uns wissen, dass sie angesichts des Klimawandels und der derzeit kritischen Kaffeepreise auch weiterhin unter Druck stünden, jedoch dankbar dafür sind, dass das Projekt ihnen ermöglicht hat, die betrieblichen Kapazitäten ihrer Organisationen zu steigern und nachhaltigere Anbaumethoden umzusetzen.

Die Prämien, die Kunden durch den Kauf von Fairtrade-Artikeln finanzieren, sowie die zusätzliche finanzielle Projektunterstützung durch ALDI ermöglichen es, geeignete Lösungen zur Überwindung der Herausforderungen zu finden, und gewährleisten langfristig, dass Kleinbauern in Honduras Kaffee nachhaltig anbauen. Wir regen unsere Kunden dazu an, Fairtrade-zertifizierten Kaffee zu kaufen, und beabsichtigen, auch zukünftig Projekte zur Unterstützung kaffeeproduzierender Kleinbauern in Honduras finanziell zu fördern. Dieses Engagement verhilft den Kaffeebauern zu mehr Widerstandsfähigkeit sowie zu einem besseren Einkommen. So bleibt die tägliche Tasse ALDI Kaffee letztlich für alle nachhaltig.

Worker drying coffee
Arbeiter bei der Trocknung von Kaffee

Das Projekt in Zahlen

22 teilnehmende Kleinbauernorganisationen („Smallholder Producer Organisations“, SPOs)
4.656 unmittelbar Begünstigte (produzierende Mitglieder von SPOs)
20.000 indirekt Begünstigte (Familienmitglieder und weitere Personen, die auf Kleinbauern angewiesen sind)
83 % der am Projekt teilnehmenden Kooperativen haben einen Gewinn erwirtschaftet
68 % nutzen eine geringere Menge an Agrochemikalien und unterstützen neue Einkommensströme

 

Logos of Honduras project partners

Ein gemeinsames Projekt der Unternehmensgruppe ALDI SÜD, Fairtrade, CLAC (lateinamerikanisches und karibisches Netzwerk von Kleinbauern und Arbeitern für fairen Handel) und CHPP (nationales honduranisches Fairtrade-Netzwerk).


 

Sustainable Development Goals

5 Geschlechtergleichheit 8 Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum 12 Nachhaltige/r Konsum und Produktion 15 Leben an Land 17 Partnerschaften zur Erreichung der Ziele