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Two women working on field drying coffee beans
Dezember 2021

ALDIs Einsatz für mehr Transparenz: wie wir unsere Auswirkungen auf Menschenrechte bewerten

Sarah Bollermann
Sarah Bollermann
Group Director of Corporate Responsibility International

Der Einsatz für Menschenrechte ist fester Bestandteil des Nachhaltigkeitsengagements von ALDI. Ausgangspunkt dafür ist unsere internationale Erklärung zur Wahrung von Menschenrechten, sowohl in all unseren Geschäftstätigkeiten als auch innerhalb unserer Lieferketten. Vor diesem Hintergrund stellt die Veröffentlichung unserer ersten drei „Human Rights Impact Assessments“ (HRIAs) zu Avocado-, Paranuss- und Kaffeelieferketten einen wichtigen Schritt zur Verwirklichung unserer Vision 2030 dar.

In einer von globalen Lieferketten geprägten Welt stellen potenzielle Menschenrechtsverletzungen ein zentrales Problem dar, das jede Volkswirtschaft, jeden Industriezweig und jede Branche betrifft. Umfangreiche Risikoanalysen, objektive Lieferantenbewertungen, sowie unabhängige und ALDI-eigene Sozialaudits helfen uns dabei, bestehende und potenzielle Risiken innerhalb unserer Food- und Non-Food-Lieferketten zu erkennen. Um potenzielle und bestehende negative Auswirkungen auf Menschenrechte wirksam zu vermeiden, bedarf es aber oft ein tiefergehendes Verständnis von einigen Lieferketten. HRIAs stellen hier ein wichtiges Mittel dar, um genau diese Transparenz zu schaffen.  

Bedeutung von HRIAs

Globale Rohstofflieferketten sind oft lang, komplex und durch eine begrenzte Rückverfolgbarkeit gekennzeichnet, insbesondere bei sogenannten „Schüttgütern“ wie Kaffee oder Nüssen. Diese Komplexität schränkt nicht nur die Transparenz in Bezug auf potenzielle Auswirkungen auf die Menschenrechte ein, sondern limitiert auch den Einfluss, den ALDI auf diese Auswirkungen nehmen kann. HRIAs verschaffen dabei ein umfassendes Verständnis darüber, wie sich bestimmte Aktivitäten (z. B. Ernte, Herstellung, Beschaffung) positiv und/oder negativ auf international anerkannte Menschenrechte auswirken können - wie zum Beispiel Arbeitsbedingungen, Gleichstellung der Geschlechter oder Landbesitz.

Anders als unsere 2018 durchgeführte, menschenrechtsbezogene Risikoanalyse („Human Rights Risk Assessment“, HRRA), konzentrieren sich HRIAs auf ganz bestimmte Lieferketten und Regionen. Das beinhaltet detaillierte Informationen zu den Lebensumständen der betroffenen Arbeiterinnen und Arbeiter, aber auch potenzielle Auswirkungen auf deren Familien bzw. ganzer lokale Gemeinschaften entlang einer Lieferkette. So erhalten wir praktisch umsetzbare Ergebnisse und ein tiefes Verständnis über jene Bereiche, in denen wir spürbar etwas bewirken können. In Zusammenarbeit mit den Menschenrechtsexpertinnen und -experten von Ergon Associates folgten wir dafür einem bewährten Ansatz, welcher sich an anerkannten internationalen Rahmenwerken orientiert. Darunter fallen die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte, sowie die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen. Dabei sind wir folgenden methodischen Schritte gefolgt:

  1. Analyse aller Lieferkettenaktivitäten und Abbildung der jeweiligen Wertschöpfungsschritte
  2. Identifizierung potenziell betroffener Menschenrechte
  3. Evaluierung bereits öffentlich zugänglicher Informationen (z. B. nationale Rechtsvorschriften)
  4. Einbindung von Interessengruppen mithilfe lokal ansässiger Berater
  5. Bewertung der Auswirkungen zur Ermittlung der Wichtigkeit von Themen
  6. Entwicklung eines speziellen Aktionsplans zur Adressierung von potenziell negativen Auswirkungen und Stärkung von Menschenrechten in der Lieferkette

ALDI‘s erste drei HRIAs in Food-Lieferketten mit hoher Priorität

Gegenstand der ersten HRIAs von ALDI waren drei Lieferketten in Lateinamerika, nämlich jene für brasilianischen Kaffee, peruanische Avocados und bolivianische Paranüsse. Ausschlaggebend für die Wahl dieser drei Lieferketten waren die Ergebnisse vorangegangener Risikoanalysen, die Relevanz des jeweiligen Ursprungslandes für unsere Einkauf, und das Fehlen detaillierter Untersuchungen dieser Lieferketten.

ALDIs Bewertungen menschenrechtsbezogener Auswirkungen

Avocados aus Peru

Ähnlich wie die gesamte Exportlandwirtschaft in Peru, ist auch die Avocado-Produktion ein wichtiger und stetig wachsender Arbeitsmarkt. Obwohl die Avocado-Produktion eine bedeutende Einkommensquelle darstellt und zum Lebensunterhalt vieler Arbeiterinnen und Arbeiter sowie deren Familien beiträgt, zeigen unsere Analysen, dass die meisten menschenrechtsbezogenen Herausforderungen im Bereich der Arbeitsrechte und Arbeitsbedingungen zu finden sind. Risiken bestehen für Kleinbäuerinnen und -bauern auch aufgrund ihrer schwachen Position in der Exportwertschöpfungskette. Die offengelegten Auswirkungen haben dabei in der Regel mehr als nur eine Ursache, zu deren Verständnis auch sektorale oder kontextuelle Faktoren berücksichtigt werden müssen. Als Beispiel ist hier unter anderem die über das Jahr schwankende Nachfrage nach Arbeitskräften zu nennen. Dies führt für Erntehelferinnen und -helfer zu einer starken Abhängigkeit von befristeten und saisonalen Arbeitsverhältnissen, was wiederum die Kenntnis und Wirksamkeit betrieblicher Beschwerdemechanismen vermindern kann.

Person cutting avocados from tree
Person transporting avocados in a truck
Person with a cardboard full of avocados

Paranüsse aus Bolivien

Paranüsse gelten als eines der wertvollsten Nicht-Holzprodukte des nördlichen Amazonasgebiets Boliviens. Aufgrund ihrer sozialökonomischen Bedeutung für die Region sind sowohl die positiven als auch die negativen Auswirkungen in den lokalen Gemeinschaften stark spürbar. Im Rahmen des HRIAs wurden negative Auswirkungen vorwiegend im Bereich der Ernte und der lokalen Verarbeitung festgestellt. Diese haben zumeist mehrere Ursachen, darunter sektorale, regulatorische und kontextuelle Faktoren. Ein anschauliches Beispiel liefert hierbei die Betrachtung der speziellen Rahmenbedingungen, unter welchen Paranüsse in entlegenen Regenwaldgebieten gesammelt werden. Während dieser Erntetätigkeiten sind eine wirksame Aufsicht und die Durchsetzung von arbeitsrechtlichen Vorgaben bedeutend erschwert. Gleichzeitig bieten Paranüsse den Gemeinschaften einen Anreiz, die Wälder vor einer zerstörerischen Nutzung, wie z. B. der Abholzung, zu schützen. Die Paranussernte und -verarbeitung leistet daher nicht nur einen entscheidenden Beitrag zur Schaffung langfristiger Lebensgrundlagen für die Menschen vor Ort, sondern sie trägt auch zum Schutz von indigenen Siedlungsgebieten und ihrer Lebensweise bei.

Brazil nut fruits on tree
Person holding brazil nuts in hands
Brazil nuts in a bag

Kaffee aus Brasilien

Als größter Kaffeeproduzent der Welt sieht sich auch Brasilien mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert. Als Beispiele sind hier allen voran signifikante Preisschwankungen, Auswirkungen des Klimawandels und ein zunehmender Arbeitskräftemangel zu nennen. Unser Bericht zeigt, dass die negativsten Auswirkungen des Sektors in den Bereichen Pflanzenbau, Instandhaltung des Landwirtschaftsbetriebs und der Ernte zu finden sind, wobei Kleinbauern sowie Frauen generell besonders betroffen sind. Auch hier hat sich herausgestellt, dass die meisten Auswirkungen auf mehr als eine Ursache zurückzuführen sind. Dies gilt beispielsweise für die Sicherstellung von Gesundheits- und Sicherheitsstandards auf Kaffeefeldern. Schlüsselfaktoren für den oftmals berichteten Mangel an Schutzmaßnahmen beim Umgang mit Agrochemikalien sind beispielsweise das geringe Bewusstsein der Landwirtinnen und Landwirte, aber auch die schwache rechtliche Regulierung und Überwachung. Die Verschmutzung von Boden und Wasser durch Pestizide, die in der gesamten Landwirtschaft eingesetzt werden, stellt ebenfalls ein landesweites Problem dar. Durch die verstärkte Produktion zertifizierten Kaffees, welche die Anwendung bewährter Verfahren sowie die Durchführung von Schulungen forcieren, können die Risiken für die Landwirtinnen und Landwirte gemindert werden.

Person picking coffee beans
Person walking in coffee field
Person picking out dried coffee beans

Unsere nächsten Schritte

Diese drei ersten HRIA-Projekte haben uns ermöglicht, eingehende Kenntnisse über verschiedene mögliche Auswirkungen entlang unserer Lieferketten zu gewinnen. Die Ergebnisse werden uns dabei unterstützen, noch effektivere Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensumstände zu identifizieren.

So wurde unter anderem abermals deutlich, dass es besonders wichtig ist, weiter konsequent Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern zu bekämpfen oder Kleinbäuerinnen und -bauern konkret beim Aufbau von Kompetenzen zu unterstützen. Ziel ist dabei auch, für alle Beteiligten einen gerechten Anteil an der Wertschöpfung sicherzustellen. Das verbesserte Verständnis über unsere potenzielle Verbindung zu einigen der identifizierten Themen hilft uns dabei, jene Gestaltungsbereiche verstärkt zu adressieren, in denen ALDI seinen positiven Einfluss am effektivsten steigern kann. Die wichtigsten Hebel für ALDI bestehen in der richtigen Auswahl und verstärkten Zusammenarbeit mit unseren direkten Lieferantinnen und Lieferanten. Weiters arbeiten wir intensiv an der Verbesserung von verantwortungsvollen Einkaufspraktiken und dem gezielten Ausbau von Wissen und Kompetenzen bei den lokalen Erzeugerinnen und Erzeugern. Die Ergebnisse der HRIAs werden zudem dazu beitragen, unsere Standards und Prozesse weiter zu schärfen. In der täglichen Praxis wird dies vor allem durch die Umsetzung und den weiteren Ausbau unserer gezielten Aktionspläne („Human Rights Action Plans“, HRAP) geschehen, welche für unsere CR- und Einkaufsteams bereits jetzt richtungsweisend sind.

Dies ist erst der Anfang

Nach der Durchführung der ersten drei HRIAs stehen wir erst am Anfang unseres Engagements. ALDI hat sich zum Ziel gesetzt in Summe zwölf HRIAs bis Ende Dezember 2025 durchzuführen.

Weitere Informationen zu unseren Maßnahmen im Bereich Menschenrechte:


 

ALDI CR Vision 2030

Menschenrechte

Transparency in supply chains
Transparenz in der Lieferkette
Partner for change
Engagement im Rahmen von Partnerschaften
Public awareness
Stärkung des öffentlichen Bewusstseins
Upholding human rights
Schutz der Menschenrechte von Arbeiterinnen und Arbeitern
CR into buying
Verankerung unternehmerischer Verantwortung in unseren Einkaufspraktiken

Ressourceneffizienz

Sourcing sustainably
Nachhaltige Beschaffung

Sustainable Development Goals

1 Keine Armut 5 Geschlechtergleichheit 8 Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum 10 Weniger Ungleichheiten 12 Nachhaltige/r Konsum und Produktion 17 Partnerschaften zur Erreichung der Ziele