Anforderungen im Bereich Chemikalienmanagement

Das Detox Commitment und die ALDI M-RSL

Der Einsatz und der Umgang mit Chemikalien wird in nationalen und internationalen Richtlinien geregelt. Das Problem: Gerade in Entwicklungs- und Schwellenländern reichen die gesetzlichen Anforderungen oftmals nicht aus oder werden nicht konsequent eingehalten. Unser Ziel ist es, den Einsatz unerwünschter Substanzen bei der Herstellung von Bekleidung, Heimtextilien und Schuhen sukzessive zu vermeiden und dort, wo es möglich ist, durch unbedenklichere Alternativen zu ersetzen. Eines der Kerninstrumente stellt unsere ALDI M-RSL/RSL (Manufacturing Restricted Substances List/Restricted Substances List) dar, die Bestandteil aller Verträge mit unseren Geschäftspartnern ist. Wir haben dieses Dokument ergänzend zu bestehenden Qualitätsrichtlinien im Jahr 2015 auf unseren Webseiten veröffentlicht. Die ALDI M-RSL/RSL enthält Substanzen, deren Nutzung für die Produktion für ALDI entweder untersagt oder nur eingeschränkt möglich ist. Ziel ist es, so den Einsatz dieser Chemikalien in der Textil- und Schuhproduktion zu regulieren, da sie potenzielle Risiken für Mensch und Umwelt mit sich bringen. Die ALDI M-RSL definiert die Grenzwerte für Chemikalienrückstände in Abwässern und Schlamm aus den Produktionsstätten, während die ALDI RSL die Grenzwerte in Endprodukten festlegt. Unsere Fachexperten führen einen jährlichen Abgleich der RSL mit den aktuellsten Anforderungen durch und nehmen bei Bedarf Aktualisierungen vor.

Die ALDI „Elimination Strategy“ für die 11 unerwünschten Chemikaliengruppen

Wir fokussieren die nächsten Schritte unserer Eliminierungsstrategie darauf, den bewussten Einsatz von APEO und PFC und im Folgeverlauf den Einsatz weiterer ausgewählter Chemikaliengruppen zu untersagen. Wir geben unseren Lieferanten und den Nassproduktionsstätten somit schrittweise konkrete Handlungsschwerpunkte vor (siehe Abbildung „Stufen der Eliminierungsstrategie“). Für alle verbleibenden Chemikaliengruppen halten wir an den durch das Detox Commitment gesetzten Eliminierungszielen für den 1. Januar 2020 fest. Künftig werden wir dadurch die Basis der für ALDI genutzten Produktionsstätten auf diejenigen Lieferkettenpartner beschränken, die bereit sind, mit uns diesen Weg zu gehen. Um die Umsetzung der Strategie voranzutreiben, setzen wir unter anderem auf die Durchführung von Trainings und Chemical Management Audits (CMAs).

Der „Saubere Fabrik“- bzw. „Clean Factory“-Ansatz verfolgt das Ziel, unerwünschte Chemikalien für die gesamte Produktion durch unbedenklichere Alternativen zu ersetzen. Vereinfacht bedeutetet „Clean Factory“, dass eine Produktionsstätte gänzlich - nicht nur in Verbindung mit Artikeln, die für ALDI gefertigt werden - auf den Einsatz unerwünschter Substanzen verzichtet. Um den Nassproduktionsstätten ein entsprechendes Instrument zur Umsetzung an die Hand zu geben, haben wir bereits in 2016 die Anforderung eingeführt, dass eingesetzte Chemikalien die Anforderungen der ZDHC MRSL erfüllen müssen. Die von der ZDHC erarbeitete MRSL umfasst entsprechende Grenzwerte für Chemikalien, die in der Produktion eingesetzt werden („Inputchemikalien“) und ergänzt hier also die ALDI M-RSL/RSL.

  1. 01.03.2019: Keine Grenzwertüberschreitung bei PFC oder APEO im Abwasser und Schlamm;
  2. 01.04.2019: Keine Grenzwertüberschreitung bei Organozinnverbindungen und Azofarbstoffen im Abwasser und Schlamm;
  3. 01.07.2019: Keine Grenzwertüberschreitung bei Chlorophenolen und kurzkettigen Chlorparaffinen im Abwasser und Schlamm;
  4. 01.10.2019: Keine Grenzwertüberschreitung bei Chlorbenzolen im Abwasser und Schlamm

Verbesserungen durch konsequentes Chemikalienmanagement erzielen

Damit die Detox-Ziele langfristig vollständig erfüllt werden können, setzen wir mit Input- und Output-orientierten Vorgaben an zwei unterschiedlichen Stellen in der Produktion an. 

Seit Ende 2015 fordern wir für eingesetzte Nassproduktionsstätten die Vorlage einer gültigen Abwasser- und Schlammanalyse. Die Output-Anforderungen werden mindestens einmal jährlich in den Produktionsstätten geprüft. Die Proben werden von einem akkreditierten und von uns nominierten Testinstitut vor Ort entnommen und gegen die Grenzwerte unserer M-RSL getestet. Das Ergebnis der Analyse wird uns, den Lieferanten und den Produktionsstätten mitgeteilt. In unseren jährlichen Fortschrittsberichten haben wir bereits auszugsweise von Ergebnissen berichtet. Einen Überblick zu Daten der Abwasser- und Schlammanalysen geben wir hier.

Illustration der beschriebenen Prozesse

Ursachenanalyse

Die Ergebnisse von Abwasser- und Schlammanalysen dienen als Indikator für die Nachverfolgung des Ausschlusses von unerwünschten chemischen Substanzen wie PFC oder APEO. In Kombination mit Produktprüfungen ist es uns so möglich zu bewerten, inwiefern nachhaltige Produktionsprozesse in einer Produktionsstätte implementiert und unsere Detox-Anforderungen erfüllt werden. Sollten in einer oder mehreren Chemikaliengruppen Befunde auftreten, sind Lieferanten und Produzenten angewiesen, eine entsprechende Ursachenanalyse („root-cause analysis“) durchzuführen. Dies soll dazu dienen, mögliche Kontaminationsquellen zu identifizieren.

Inputchemikalien-Anforderungen

Die Richtlinie für Inputchemikalien wurde 2016 flächendeckend implementiert und setzt sich im Wesentlichen aus zwei Bausteinen zusammen: Zum einen sind die Erstellung und die kontinuierliche Fortführung eines Chemikalieninventars und das Nachhalten gültiger Safety Data Sheets (SDS, Sicherheitsdatenblätter) zu jeder eingesetzten Chemikalie Pflicht. Eingesetzte Chemikalien müssen die Anforderungen der ZDHC MRSL erfüllen, was durch entsprechende Nachweise, wie Zertifikate anerkannter Standardgeber oder akkreditierter Testinstitute sowie Nachweise über den Einsatz von „bluesign® approved“ Chemikalien, zu belegen ist. Wir behalten uns das Recht vor, jederzeit Einsicht in die Sicherheitsdatenblätter, das Chemikalieninventar oder die Nachweise und Zertifikate über die Inputchemikalien zu verlangen. Zum anderen ist es notwendig, dass die Einkaufskriterien für Chemikalien in den Produktionsstätten neu ausgerichtet werden. Dies verfolgen wir intensiv über die geforderte Dokumentation des Chemikalieninventars.

RSL-Anforderungen

Im Jahr 2017 verschärften wir unsere Grenzwerte für Endprodukte (RSL), um sicherzustellen, dass unsere hohen Anforderungen an die Produktionsstandards sich auch in unseren Produkten widerspiegeln. Dieser Schritt zeigt sich u.a. in der durch ALDI geförderten Entwicklung des OEKO-TEX Anhangs 6, der die neuen strengeren Anforderungen abbildet. Die Überprüfung unserer Waren findet mittels umfangreicher Produkttests ausgewählter und akkreditierter Prüfinstitute statt – so erfolgt beispielsweise für alle unserer Textilien bereits seit vielen Jahren eine Zertifizierung nach dem STANDARD 100 by OEKO-TEX. 

Training und Auditing

Für einen Bewusstseinswandel ist der Aufbau von Kapazitäten und Wissen zwingend erforderlich. Wir engagieren uns in diesem Bereich mit Hauptaugenmerk auf der Qualifizierung von Lieferanten und haben ein entsprechendes Schulungskonzept erarbeitet. 

Unsere Lieferanten werden z.B. darin geschult, die Detox-Herausforderungen zu verstehen sowie die ALDI-spezifischen Umsetzungsmaßnahmen und -prozesse durchzuführen. Die Trainings finden unter anderem als Webinare statt. Im Jahr 2017 haben wir in Zusammenarbeit mit NimkarTek ein den Lernbedürfnissen unserer Lieferanten entsprechendes Schulungsprogramm für den Bereich Chemikalienmanagement definiert. Basierend auf dem individuellen Wissensstand jedes Teilnehmers wurden neben bestimmten Pflichtmodulen (u.a. zu APEO) weitere Trainingsmodule - wie etwa zum allgemeinen Chemikalien- oder Abwasser- und Schlammmanagement - angeboten. 

Die amfori BEPI ist für ALDI und unsere Geschäftspartner die zentrale Plattform für die gemeinsame Arbeit in den Lieferketten und ermöglicht den Zugang zu Weiterbildungsangeboten. Durch eine Kooperation zwischen der amfori BEPI und der ZDHC haben die Nutzer über die gemeinsame Academy-Plattform zudem Zugang zu Schulungsangeboten der ZDHC. Auf diese Weise können dem in der Industrie weitläufig verbreiteten Standard entsprechende Inhalte vermittelt werden, die für diverse Kunden – nicht nur für ALDI – im Zentrum der Detox-Aktivitäten stehen.

Die in 2016 aus unseren Pilotierungen gewonnenen Erkenntnisse im Bereich der Chemical Management Audits (CMAs) diskutieren wir im Rahmen einer entsprechenden Arbeitsgruppe, um über eine Plattform die breitere Anwendung auch für andere Mitglieder der BEPI zu ermöglichen. Die CMAs sollen die Einhaltung von Mindeststandards hinsichtlich der Handhabung von Chemikalien in Lagerung und Produktion prüfen. Der von uns für die Umsetzung der CMAs gewählte Risikoansatz sorgt für den nötigen Fokus in unseren Lieferketten. CMAs werden zunächst in jenen Produktionsstätten durchgeführt, die Auffälligkeiten in Abwasser- und Schlammanalysen zeigen. Produktionsstätten sollen durch die in den CMAs erstellten konkreten Maßnahmenpläne dazu in der Lage sein, auch unsere weiteren Zielsetzungen an ein Chemikalienmanagement zu verstehen und mit den wachsenden Herausforderungen Schritt zu halten.